RE: Ein Windows für alles ist ein Windows für niemanden

Achim Barczok hat bei Heise einen Kommentar veröffentlicht, der subjektiv gefühlt kaum ein gutes Haar an Windows 10 lässt.

„Windows 8 war das beste, aber zugleich das schlechteste Windows aller Zeiten: Den vielen Verbesserungen hat Microsoft ein Kachelsystem übergestülpt, das keiner brauchte, das keiner wollte und das ohne Touch keinen Sinn macht. Deshalb ist Windows 8 gescheitert.“

Die Aussage, dass Windows 8(.1) gescheitert sei, halte ich für schlichtweg falsch. Die Privatuser und Medien haben sich ausführlich über das ModernUI ausgelassen, aber ein zugegebenermaßen inkositentes Design kann nicht zum Scheitern eines kompletten Systems führen. Selten werden in solchen Kommentaren die beachtlichen Anstrengungen hervorgehoben, die Microsoft unternommen hat um das in Fluten eintreffende Userfeedback zu verarbeiten.

„Wenn 1,5 Milliarden Windows-Nutzer die Kacheln am PC kennenlernen, dann greifen sie ja vielleicht später auch zu einem Kachel-Phone oder einem Kachel-Tablet. Diese Hoffnung schlug fehl, Android und iOS haben den Mobil-Markt weiter fest in der Hand. Stattdessen ärgern sich Desktop-Nutzer heute über eine Nutzeroberfläche, die nicht zu ihrem PC passt.“

Hier sieht der Autor den eigentlichen Sinn des ModernUI nicht: Es ist nicht der Versuch die User, wie eine Herde Schaafe auf die eigenen Produkte zuzutreiben. Es ist der Versuch ein einheitliches Nutzererlebnis über verschiedene Plattformen zu schaffen. Darin liegt doch der Vorteil, sich alle Plattformen mit demselben Betriebssystem anzuschaffen: So wie ich meinen PC bediene, kann ich auch mein Tablet bedienen. Ich muss mir keine neuen Gesten, Tastenkürzel oder Befehle merken.

„Windows 10 soll es richten: Die Kacheln werden subtiler, das Startmenü kehrt zurück, Kachel-Apps bekommen Fenster. Auf Tablets verschiebt sich die Optik je nach Einsatz mal zur Kachel, mal zum Desktop hin. Dieser Kompromiss macht den Umgang mit Kacheln erträglicher, er vermischt aber zugleich Desktop- und Touch-Oberfläche noch mehr. Unterm Strich macht der fortgeführte Ansatz aus Inkonsistenzen nichts übersichtlicher und nichts intuitiver zu bedienen.“

Windows 10 soll es richten, indeed. Aber der Trennung zwischen Touch und Desktop kann ich nicht viel Negatives abgewinnen. Wenn mein Tablet in der Docking Station steckt, dann will ich es natürlich mit Maus und Tastatur bedienen. Wenn ich es auf der Couch bediene, dann will ich mich nicht mit der mühseligen Bildschirmtastatur herumschlagen müssen.
In der Tat, es fehlen in der Touch Version wichtige Features, wie ein bedienbarer Explorer etc…

Wohl aber ärgern sie sich darüber, dass sie viele ihrer Smartphone-Daten noch immer nicht problemlos und unkompliziert lokal mit einem Windows-PC synchronisieren können. Dass ihre kompletten Unterlagen auf dem PC nur über Umwege auch auf dem Smartphone greifbar sind. Dass sie einen angefangenen Film auf dem einen Gerät nicht nahtlos auf dem anderen weiterschauen können. Dass die Suche auf dem Smartphone nicht auch den PC durchsucht, und dass Desktop-Anwendungen viel zu selten Spielstände, Dateien und Einstellungen mit mobilen Apps abgleichen.

Wie der Autor auch richtig feststellt: Genau das ist Microsofts Ziel. Der erste Schritt ist getan – ein einheitliches Betriebssystem auf allen Plattformen. Microsoft ist dabei eine Landschaft zu errichten, auf der Entwickler ohne große Aufwände ihre Applikationen auf allen Plattformen dem Nutzer verfügbar machen können. Inwieweit sich diese Anwendungen zwischen den Plattformen interagieren, ist Sache der Entwickler. Microsoft stellt nur die Werkzeuge dafür bereit – und die sind vorhanden.

Alles in allem ist es viel zu früh, Windows 10 jetzt schon zu verurteilen. Hoffentlich begeht die Öffentlichkeit nicht denselben Fehler wie bei Windows 8(.1) und hängt sich an kleinlichen Diskussionen um leicht zu ändernde Dinge, wie das UI oder den Namen auf.

 

 

 

Ein Kommentar:

  1. „Alles in allem ist es viel zu früh, Windows 10 jetzt schon zu verurteilen.“
    Und genauso ist es zu früh Windows 10 bereits jetzt zu beurteilen. Den Zweck der „Developer Preview“ beschreibt ja bereits den Name: Entwicklern einen frühen Blick in die kommende Windows-Version zu ermöglichen. Für Endanwender und GUI-Enthusiasten ist sie nicht gedacht. Somit sollte man sich alles Negativ-Gerede, was nicht so toll ist, toll aussieht oder was noch fehlt für den Moment schenken. Darüber kann man sich dann in der öffentlichen Beta gerne äußern.

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